Echt & Unverspannt

Ehrliches Körperwissen und praxisnahe Impulse für dein Nervensystem!

Leicht verständlich und mit einem Augenzwinkern serviert 😉

Der Elternabend-Ausnahmezustand oder: Warum man nach 60 Minuten auf dem Kinderstuhl reif für die Intensivstation ist

Es gibt Termine im Kalender, die lassen den Puls schon Tage im Voraus in ungeahnte Höhen schnellen. Der Klassiker: der Elternabend. Schon beim Betreten des Klassenzimmers schaltet das Nervensystem unbarmherzig auf Alarmstufe Rot – und das liegt nicht nur an den viel zu kleinen Holzstühlen, auf die man sich zwangsweise quetschen muss.

Du kennst das Szenario. Es ist 19:30 Uhr, der Raum riecht nach kaltem Tafelschwamm und abgestandener Raumluft. Und in dem Moment, in dem die Lehrerin vorne zu sprechen beginnt, passiert etwas Seltsames: Man steht zwar als erwachsene Person im Raum, aber innerlich katapultiert es einen direkt zurück in die eigene Schulzeit. Plötzlich fühlt man sich selbst wieder wie der kleine, ertappte Schüler in der hinteren Bankreihe, der panisch hofft, bloß nicht dranzukommen. Wenn dann auch noch die ersten Diskussionen über den genauen Ablauf der Klassenfahrt oder das gesunde Frühstück losgehen, steht das Nervensystem endgültig unter Strom. Der Körper schaltet auf Fight or Flight – am liebsten würde man wie damals die Hand heben, „Ich muss mal aufs Klo!“ rufen und schreiend das Weite suchen.

Wenn das System am Anschlag ist und sich der Adrenalinschub breitmacht, helfen keine guten Vorsätze mehr. Da braucht es handfeste somatische Hacks, die den Vagusnerv überlisten, ohne dass man auf den Mini-Stühlen noch mehr auffällt:

  • Der unauffällige Temperatur-Schock: Wer keinen Kühlakku parat hat, nutzt das, was da ist. Die kalte Wasserflasche aus der Handtasche nehmen und kurz an den Nacken oder gegen die Innenseite der Handgelenke drücken. Das signalisiert dem Gehirn über den Kältereiz sofortige Entwarnung und bremst den rasanten Puls aus.
  • Die 4-zu-8-Atembremse: Wenn die Diskussion um den Elternbeirat mal wieder völlig ausartet und das Gefühl überhandnimmt, gleich wieder einen Eintrag ins Klassenbuch zu bekommen, hilft nur noch die Lunge. Vier Sekunden lang unauffällig durch die Nase einatmen und dann ganz lang – für andere unbemerkt – durch den Mund ausatmen. Das ist der direkte Draht zum Parasympathikus, unserem inneren Bremspedal, das die Schultern wieder von den Ohren herunterzieht.

Am Ende überlebt man auch diesen Elternabend, die Klassenfahrt wird abgesegnet und das Nervensystem beruhigt sich, sobald man wieder echte, freie Luft atmet und den Kindersitz hinter sich lässt. Das Leben ist eben kein stilles Meditations-Retreat – manchmal besteht die Erleuchtung einfach darin, den Fußgängerweg vom Schulhof zu schaffen, ohne sich wie vor dem Zeugnistag zu fühlen.

 

 

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